Verätzung

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Verätzung durch Lauge: An Zellkulturen simulierte Verätzung mit Natriumhydroxyd (NaOH)

Fortbildung

Die Notfallbehandlung am Auge ist auch Thema der von ACTO angebotenen Fortbildungen für Ärzte


KPRO

Verätzung

Bessere Prognose bei Verätzungen
Experimentelle Forschung und klinische Behandlung erlaubt die Entwicklung neuer Therapieformen

Die Erstversorgung entscheidet auch bei Verätzungen am Auge über den Ausgang von Unfällen, wie sie in der Arbeitswelt und zu Hause häufig vorkommen. Dort kann es flüssiges Metall sein, hier heißer Wasserdampf oder der berüchtigte Kalkspritzer. Die Erforschung neuer Therapieformen ist seit über 15 Jahren ein Schwerpunkt von Prof. Schrage. Seit dieser Zeit und durch die klinischen Empfehlungen, die aus dieser Forschung resultieren, konnten viele Verätzungen verhindert und erheblich besser behandelt werden, so dass Patienten heute sehen, die vor Jahren noch erblindet wären.

Die klinische Expertise von Prof. Schrage ist an der Augenklinik Köln Merheim angesiedelt. Patienten bitten wir, mit Prof. Schrage unter der Telefonnummer 0221 890713812 Kontakt aufzunehmen. Die Forschung wird gemeinsam zwischen ACTO e. V. und der RWTH Aachen organisiert.

Motor dieser Forschung und ihrer klinischen Überprüfung ist Prof. em. Dr. med. Martin Reim, der sie auch nach seiner Emeritierung im experimentellen Bereich sehr engagiert begleitet und für ACTO als Vorstandsmitglied aktiv und beratend tätig ist. Die Augenkliniken an der RWTH Aachen und in Köln-Merheim können dadurch auf einen wertvollen Schatz an klinischer Erfahrung in der Akutversorgung bei Verätzungen, aber auch in der nachfolgenden Therapie zurückgreifen. Auf dieser Basis können langfristige Konzepte für die Forschung entwickelt werden.

Innovative Ansätze zur Therapie der frühen Verätzung sind in den vergangenen Jahren untersucht worden, nachdem sich erstmals detailliert chemisch-physikalisch darstellen lässt, was im Frühstadium einer Verätzung im Auge passiert. Messungen haben zu einem Konzept des chemischen und osmotischen Schocks geführt.

Entscheidende Faktoren

Für die Prognose entscheidende physikalische Faktoren sind unter anderem:

  • Einwirkzeit
  • Temperatur
  • mechanische Energie beim Auftreffen ins Auge
  • Konzentration
  • pH-Wert
  • Osmolarität

Chemische Faktoren stellen beispielsweise die Reaktionen von Proteinen und Lipiden dar – Ausfällung, Funktionsverlust, Aktivierung bzw. Verseifung, Lipolyse - aber auch die gefürchtete Bindung von Calcium bei der Flußsäureverätzung.

Entscheidend für den Behandlungserfolg sind

  • die rasche mechanische Entfernung des aggressiven Stoffes,
  • das Unterbinden weiterer chemischer Reaktionen und
  • das Verhindern eines weiteren Eindringens in das Gewebe.

Experimentelle Überprüfung

Das Konzept ist durch experimentelle Arbeiten an den im Handel erhältlichen Substanzen zur Ersttherapie überprüft worden. Hierbei wurden systematisch die "Erste Hilfe"-Therapien wie

  • Wasser,
  • Phosphatpuffer z.B. von Optima oder in hochkonzentrierter Form Plum pH Neutral,
  • eine besondere Zubereitung von Boratpuffer (Cederroth Eye Wash),
  • wie auch NaCl 0.9 %,
  • B. Braun Spüllösung,
  • Diphoterine® Solution,
  • Previn Solution,
  • Tima Oculav und
  • Hexafluorine® Solution
an der Verätzung des Kaninchenauges (ex vivo) verglichen.

Die Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass eine Therapie mit chemisch neutralisierenden hyperosmolaren Augenspülungen (Plum-pH-Neutral®, Previn®, Diphoterine®) größeren Schaden verhindern können und damit zu einer verbesserten Prognose für den Patienten beitragen. Phosphathaltige Augenspülungen wie Plum-pH-Neutral® und Tima-Oculav® können als häufige Nebenwirkung Hornhautverkalkungen verursachen. Daher können wir die Anwendung nach unseren klinischen und experimentellen Ergebnissen nicht empfehlen.

Weiterhin konnten anhand von Dekontaminationsversuchen am Ex Vivo Eye Irritation Test (EVEIT) mittels optischer Kohärenztomografie (OCT) bei Flußsäureverätzungen eine deutliche Gradierung und Überlegenheit der Anti-Flußsäurelösung von PREVOR (Hexafluorine) im Vergleich zu 2% Calciumgluconat und Wasser nachgewiesen werden.

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